Wie es ist

Am Anfang einer Malerei/einer Zeichnung steht für mich normalerweise eine Farbe, ein Gefühl, ein Wort, eine Begegnung. Dieses Bild war anders.

Es wollte sich nicht fassen lassen. Ein Stück weit ist das für mich bei allen Bildern so – ich male aus dem Bauch heraus. Der Kopf geht aus, das Herz führt. Farbe und Formen flließen. Da ist kein (Über-)Denken, nur Intuition. Zum Teil begleiten mich die Bilder wochenlang und wandeln sich mehrfach, bis sie „fertig“ sind. Das ist auch gut so. Aber da ist immer ein Kern, der in sich bestehen bleibt.

Dieses Mal war das anders. Dieses Bild wollte immer werden, aber nie etwas sein. Es wollte sich auf keinen Kern festlegen lassen. Da war weder Beginn noch Ziel. Kurz hat mich das stutzen lassen und mich unsicher gemacht. Ich wollte wissen, mit was ich es da zu tun habe. Nicht gut für den Prozess.

Dann habe ich aufgehört, es benennen zu wollen. Ich habe die Kontrolle abgegeben. Selbst als es um den Namen ging und dieses „Unfassbare“ in kein Wort passen wollte, habe ich es sein lassen. So, wie es ist.

Eigentlich eine gute Lektion, oder?

 

Wie es ist. (2017), Manuela Sies.

Zeichnung, 26 x 35 cm