Kennst du die Handschrift deiner Freunde? Von der Macht des Briefeschreibens.

Gerade lese ich einen wunderbaren Roman, in dem es um das Briefeschreiben geht. Er hat mich gefunden:

Vorgestern bin ich mit dem Gedanken an ein inspirierendes Buch in die Bibliothek gegangen – und gleich in einem der ersten Regale war es gut sichtbar für mich ausgelegt.

„Der schönste Grund, Briefe zu schreiben“ von Ángeles Doñate spielt nicht etwa im Mittelalter, er erzählt vom Jetzt. Von der versuchten Rettung eines Postamtes, versteckt in einem Tal in Spanien. Davon, was es mit einem macht, Briefe zu schreiben und was es bedeutet, selbst einen zu empfangen. Davon, welche (unscheinbare) Macht sie haben.

Wann hast du zuletzt einen Brief geschrieben oder bekommen?

Einen echten. In Handschrift verfasst. Vielleicht an einigen Stellen ein wenig verwischt, wo die Hand des Schreibers/der Schreiberin über die Tinte gewischt ist oder Tränen gefallen sind. Papierseiten, die von der Persönlichkeit des Schreibers/der Schreiberin erzählen, ausgedrückt in der Wahl des Papiers und durch die Handschrift. Vielleicht saubere und ordentliche Zeilen, vielleicht wilde und verwege, die in Wellen über das Paier rollen.

Die Kraft von Briefen ergibt sich aus ihrer Persönlichkeit.

Der letzte Brief, den ich vor gar nicht langer Zeit bekommen habe, war sehr kraftvoll. Er war berührend, erzählte von Freundschaft und versuchte, zu erklären. Sein Weg war nicht weit, bloß einmal durch die Stadt. Die letzten Briefe, die ich geschrieben habe, erzählten von Verbundenheit, versuchten zu Antworten, stellten aber auch klar. Ein paar Tränen sind auch geflossen, vielleicht auf beiden Seiten. Ich denke, eine E-Mail oder eine Sprachnachricht wäre nicht so kraftvoll und berührend gewesen.

Nicht nur das Lesen eines Briefes macht etwas mit einem, auch das Schreiben. Es ist anders, einen wirklichen Brief zu schreiben, als einen virtuellen zu verfassen. Man wählt Papier und Umschlag für den Empfänger aus, man überlegt sich die Zeilen, sieht zu wie sie entstehen. Es ist ein bewusster Vorgang. Am Ende bekommt der Leser ein Stück von einem selbst, das in seiner Art, seiner „Handschrift“, einzigartig ist. In Zeiten von WhatsApp, E-Mail, SMS und sozialen Netzwerken geht uns das unmerklich verloren.

„Niemals wird eine Träne eine E-Mail verwischen.“

Wird ein kluger Mensch namens José Saramago in dem Roman zitiert. Ich finde, das bringt es ziemlich gut auf den Punkt. Ich habe das Buch noch nicht zu Ende gelesen, aber die ersten Kapitel haben mich inspiriert, auch zum Stift zu greifen. Ich freue mich darauf, die Karte oder

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den Papierbogen für den Epmfänger/die Empfängerin auszusuchen, die Worte zu wählen und mir vorzustellen, wie er/sie den Postkasten öffnet und mal keine Rechnung findet, sondern etwas Persönliches.

Kenns du die Handschrift deiner Freunde? Nein? Vielleicht kanntest du sie einmal und hast sie vergessen? Kennen sie deine? Zeit, es rauszufinden…

Gibt es jemanden, an den du etwas schreiben möchtest? Antworten, Fragen, Wahrheiten, Erklärungen oder auch nur ein kurzes „Ich denke an dich“? Egal was, es wird etwas in Gang setzen. Was? Das kannst du nur rausfinden, indem du schreibst…

Was sind deine Brieferlebnisse? Ich freue mich, wenn du deine Geschichten mit mir teilst.

Bildquelle: Andys/WenPhotos, pixabay

4 Kommentare zu „Kennst du die Handschrift deiner Freunde? Von der Macht des Briefeschreibens.

  1. Du schreibst mir aus der Seele! Das Briefeschreiben und -Bekommen ist so eine tolle Sache. Erst heute habe ich einen langen, sehr persönlichen Brief verfasst. Ich schreibe gerne und verschicke gerne Briefe. Wenn es mal etwas knapper sein soll, schreibe ich auch eine Postkarte, immerhin: Ich zeige dem Menschen, der sie bekommt, dass ich an ihn denke. Und das tue ich oft und sehr gerne! 🙂
    Auch in meinem Blog habe ich das Thema schon aufgegriffen und bei kleinen Verlosungen Brief oder Postkarte an fremde Menschen geschickt. Eine sehr interessante Sache und für beide Seiten spannend.

    Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß beim Briefeschreiben,
    Julia

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    1. Liebe Julia,

      vielen Dank für deine Zeilen 🙂 Ich finde die Verbundenheit, die Briefe schaffen, auch schön.
      Tolle Idee mit deiner Aktion – es macht etwas mit einem, das Briefeschreiben. Egal, ob man sich kennt. Übrigens geht es in dem Roman auch um beides (Briefe von bekannten und unbekannten Menschen/Absendern)… 🙂 Schön, dass es so etwas auch im realen Leben gibt.
      Liebe Grüße
      Manuela

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  2. Ich finde ehrlich gesagt selten die Ruhe, Briefe zu verfassen. Stattdessen bin ich ein begeisterter Postkarten-Schreiber. Dabei bemühe ich mich stets, statt nur zwei Sommergrüße zu versenden, in kleinster Handschrift so viel wie möglich zu erzählen – ganz kurze aneinander gereihte Anekdoten. Und ich freue mich immer, wenn ich ebenfalls welche erhalte. Sie dann an meine Pinnwand zu pinnen ist wie eine stetige Erinnerung an denjenigen, der da an mich gedacht hat.

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    1. Ja, Postkarten sind kleine Glückstücke, du hast Recht. Diese Postkartenwand habe ich auch 🙂 Es ist immer wunderbar, diese „kleinen“ Grüße und Gedanken zu erhalten – und zu versenden 🙂 Auch wieder Verbundenheit…Ehrlich gesagt werden meine nächsten gesendeten „Werke“ auch Karten 🙂 Ich danke dir für deinen Beitrag!

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